Haltung von Meerschweinchen

Das Stichwort artgerechte Haltung darf hier natürlich nicht fehlen. Doch was heißt dies im Zusammenhang mit den Meerschweinchen genau? Im Folgenden finden Sie Tipps und Erfahrungswerte, welche wir mit der Zeit angesammelt und hier zusammengefasst haben. Wir unterscheiden hier in zwei Haltungsarten, zum einen in Innenhaltung und zum anderen in Außenhaltung :


Innenhaltung


Standort des Geheges

Zuerst einmal muss man einen geeigneten Standort für das Gehege auswählen. Hier gibt es folgende Punkte zu beachten:

  • Keine Zugluft (Meerschweinchen erkälten sich extrem schnell)
  • Nicht direkt an einer Heizung 
  • Nicht direkt dem Sonnenlicht ausgesetzt (wenn nur Teile des Stalles im Sonnenlicht liegen ist dies kein Problem und manche Schweinchen mögen es sich für ein paar Minuten zu sonnen)
  • Ausreichend Platz für das Gehege (abhängig von der späteren Tieranzahl) 
  • Katzen- bzw Hundesicherer Stellplatz (in einem separaten Raum etc.) 
  • Natürlich auch keine nassen, schimmelnden oder im Sommer extrem heißen Räume!
  • Optional: Eine erhöhte Lage des Geheges, um die Tiere bequemer zu beobachten bzw. das Gehege leichter ausmisten zu können

Das Gehege


Wir sind strikt gegen die handelsüblichen Käfige, wie sie uns von großen Zoogeschäften etc. aufgeschwätzt bzw. verkauft werden. Dies hat natürlich mehrere Gründe: 

  • Für das selbe Geld wie für einen Käfig erhält man beim Eigenbau wesentlich mehr Platz!!
  • Handelsübliche Käfige bieten immer zu wenig Platz für 2 Meerschweinchen... (►Wir empfehlen als Mindestmaß für 2 Schweinchen 1,80mx0,80m) 
  • Der Eigenbau sieht viel natürlicher und schöner aus als ein Plastikkäfig
  • Den Eigenbau kann ich individuell auf den Standort und den Platz in meiner Wohnung anpassen (z.B. ein Gehege um ein Wandeck, unter einer Dachschräge etc.)

Nach der Auswahl des Standorts und einem ungefähren Plan des Geheges geht es nun an den Bau. Hier können wir folgende Materialien empfehlen: 

  • OSB-Platten für das Gründgerüst (Vorteile: Günstig und leicht zu verarbeiten) 
  • Bei den Seitenwände sollte man darauf achten eine Höhe von mindestens 25-35cm einzuhalten. Dadurch fliegt weniger Streu in der Wohnung rum!
  • Punktgeschweißter Hasendraht, aber auch Volierendraht eignen sich für ein Innengehege (Damit man die Tiere auch schön beobachten kann)
  • Plexiglas ist auch ein sehr beliebtes Material (damit man durch die vordere Wand hindurchschauen kann) 
  • Natürlich dürfen auch Schrauben und Winkel nicht fehlen, hier gibt es speziell welche für den Bau mit OSB-Platten
  • Ein paar Vierkanthölzer in den Ecken sollten der Stabilität wegen auch nicht fehlen
  • Als Steher kann man Vierkanthölzer oder aber auch z.B. günstige Ikea-Tische oder Alusteher verwenden
  • Den Boden des Geheges muss man unbedingt vor Urin und Kot schützen, um die Lebensdauer der OSB-Platten bzw des Holzes stark zu erhöhen und Schimmel etc. vorzubeugen. Hier hört man oft den Vorschlag von Teichfolie. Wir hatten diese am Anfang auch, sind jedoch nicht mehr ganz so überzeugt davon, denn die Schweinchen knabbern sie an bzw. können durch die Krallen kleine Löcher in der Folie entstehen. Dadurch läuft man Gefahr, dass sich unter der Folie Schimmel bildet, welcher zu sehr schweren gesundheitlichen Folgen führen kann, wenn man ihn nicht rechtzeitig bemerkt. Unsere Lösung: Epoxidharz für den Bau von Regenwaldterrarien (z.B. E45TM). Dieses ist ungiftig und versiegelt das Holz zu 100%. Die Hersteller geben auch an, dass es beständig gegen Tierexkremente ist. Am Besten 2-4 Lagen (je nach Holzart) über die Bodenplatte und 10-15cm an den Seitenwänden hoch streichen. Der einzige Nachteil von Harz ist, dass die Schweinchen etwas mehr rutschen, wenn nicht dicker eingestreut wird.

Tipp: Es gibt auch sogenannte Songmics-Platten, dabei handelt es sich um Steckelemente die man je nach Bedarf zusammenstecken kann. Auch diese werden oft und gerne zum Gehegebau verwendet, denn man erspart sich die komplette Arbeit vom zurechtschneiden der Holzplatten bis hin zum verschrauben. Es gibt diese Steckelemente auch mit Gitter anstatt Folie.

 

Als Nachteil bei dieser Variante ist der Boden zu sehen, denn es ist nicht leicht diesen dicht zu bekommen. Es empfiehlt sich auch einen Unterbau aus Holz oder ähnlichem Material unter das Songmicsgehge zu stellen damit der Fußboden darunter (wichtig vorallem bei einem Holz oder Parkettboden) atmen kann.

Beispiele für Gehege:


Außenhaltung


Da wir leider nicht die Möglichkeit haben unsere Tiere in Außenhaltung zu halten, können wir hier noch keine Erfahrungsberichte teilen. Wir werden jedoch in naher Zukunft zumindest die wichtigsten Dinge über Außenhaltung und ein paar Erfahrungen von Züchterkollegen hier mit euch teilen! Wir bitten um euer Verständnis.

 

Habt ihr jedoch konkret Fragen zu einem bestimmten Punkt auch in der Außenhaltung (seien es Schutzhütten, Gruppenkonstellation, etc.), dann scheut euch nicht uns zu kontaktieren. Wir stehen für jede Frage offen und können uns auch gerne bei Kollegen erkundigen! 


Pflege (Meerschweinchen TÜV)


Jeder der ein Auto hat kennt den Begriff "TÜV" nur zu gut. Alle zwei Jahre wird unser Auto oder Motorrad auf Herz und Nieren geprüft, um wieder am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen. 

 

Beim Meerschweinchen müssen wir da regelmäßiger dahinter sein als bei unseren Fahrzeugen. Wieso der TÜV so wichtig ist und was wir dabei beachten müssen, erklären wir in folgendem Abschnitt. 

 

Einmal in der Woche sollten wir unsere Tiere einem Gesundheitscheck unterziehen, um so früh wie möglich etwaige Erkrankungen, Tumore, Abszesse, etc. zu erkennen, denn Meerschweinchen zeigen erst wie schlecht es Ihnen geht, wenn es meist schon zu spät ist! Frisst ein Tier sehr wenig bis gar nicht und wirkt sehr träge, dann heißt es sofort ab zum Tierarzt, denn hier geht es um jede Sekunde!

 

Was sollten wir beim TÜV im einzelnen überprüfen: 

 

Krallenschere
Krallenschere

1. Krallenlänge, die Krallen eines Meerschweinchens wachsen ständig und müssen bei nicht genügender Abnutzung geschnitten werden. Hiefür eignet sich am Besten eine spezielle Krallenschere, wie es sie auch für Hunde gibt. Wir kürzen die Krallen, aber nicht zu weit, denn auch diese werden bis zu einem gewissen Stück durchblutet! Bei hellen Krallen erkennt man leicht wie weit man kürzen kann, denn im Lichtschein sieht man deutlich die rötliche Färbung durch das Blut in der Kralle. Bei dunklen Krallen ist es nicht so einfach, denn hier sieht man kaum wie weit die Blutgefäße in der Kralle nach vorne gehen, daher ist hier mehr Vorsicht geboten und es gilt: Lieber einmal öfter kürzen, als einmal zu viel wegnehmen! Sollte es dennoch vorkommen, dass wir zu weit gekürzt haben und nun Blut aus der Kralle kommt, dann ist das einzige was wir machen können zu versuchen die Blutung mit einem Tempo oder ähnlichem zu stillen. 

Tipp: Auch herkömmliches Pflasterspray eignet sich super, um die Wunde zu verschließen!

2. Bisswunden, gerade bei Böckchenhaltung, aber auch in Haremsgruppen kann es vorkommen, dass es kleine Rangstreitigkeiten gibt und somit einer der Rivalen oder Beide Bisswunden davontragen. Ist die Wunde eitrig oder hat sich bereits entzündet muss man unbedingt damit zum Tierarzt! Hat sich aber bereits eine schöne Kruste über die Wunde gebildet ist der Tierarztgang in der Regel nicht nötig und man kann die Heilung mit etwas Bepanthen oder einer anderen Wundheilsalbe unterstützen. Bei frischen Bisswunden gilt wieder die Blutung zu stoppen. Hierfür eignet sich wieder hervorragend unser Pflasterspray. Ist die Wunde jedoch sehr groß und klafft auf, muss sobald wie möglich ein Tierarzt aufgesucht werden, denn Wunden können nur (ohne Wundfleisch zu entfernen) genäht oder getackert werden, wenn sie so frisch wie möglich sind. Bei abgebissenen Ohrstücken, kann meist nicht viel gemacht werden außer, dass der Tierarzt abstehende oder hängende Stücke entfernt, damit das Schweinchen damit nirgendwo hängen bleiben kann. Wir können hier natürlich auch mit Pflasterspray und Wundheilsalbe etwas nachhelfen.

3. Kontrolle auf Abszesse oder Tumore. Ein Tumor und auch ein Abszess treten optisch meist als Beule auf. Beim genauen abtasten kann man die Beiden jedoch meist voneinander unterscheiden und zwar hat der Tumor eher viele kleine Beulen (wie ein Golfball). Der Abszess hingegen ist meist rund/oval und glatt wie ein Ei. Bei Abszessen handelt es sich um dicke Eitergeschwüre, welche unbedingt entfernt werden müssen, da sonst die Gefahr besteht, dass sie nach innen aufplatzen und dadurch tödlich enden können. Nach dem Aufstechen, was nur ein erfahrener Züchter oder der Tierarzt machen sollte, muss die Wunde regelmäßig mit Wasserstoffperoxid- oder Rivanollösung gespült werden, damit sich nicht erneut Bakterien ansammeln können und wieder Eiter entsteht. Bei Tumoren handelt es sich um Krebsgeschwüre, welche bösartig oder gutartig sein können. Die Bösartigen müssen operativ entfernt werden, wohingegen die gutartigen, welche nicht streuen in der Theorie auch bleiben können. Dies sollte aber am Besten ein Tierarzt entscheiden, welcher auch die Unterscheidung machen kann.

4. Kontrolle auf Milben oder Parasiten. Diese unangenehmen Geschöpfe können unsere Lieblinge sich durch unterschiedliche Faktoren holen, z.B. eingeschleppt durch Gras, Heu oder neue Tiere. Auch erhöhter Stress führt dazu, dass Milben oder Parasiten die Schweinchen befallen können. Hier ist zu beachten, dass manche dieser ungewollten Gäste auch uns Menschen befallen können, daher ist hier besonders auf Hygiene zu achten und sich auch nach der Behandlung der Tiere die Hände zu desinfizieren! Wir unterscheiden bei Meerschweinchen hauptsächlich folgende Parasiten:

  1. Grabmilben oder auch Krätzemilben (mit dem bloßen Auge nicht erkennbar). Diese unangenehmen Tierchen legen Tunnel unter der Haut (in der Epidermis) an. Dort legen sie auch ihre Eier und vermehren sich. Diese Milben sind auch auf den Menschen übertragbar! Bekämpft werden sie entweder mit Cremes aus der Apotheke, Spot-Ons oder Ivomec. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Ivomec super hilft, dieses ist jedoch aggressiv für den Organismus und sollte bedacht eingesetzt werden. Ivomec muss direkt unter die Haut gespritzt werden. Ob Spritze oder Spot-On beides sollte nach c.a. zwei Wochen wiederholt werden, denn zu diesem Zeitpunkt sind auch die letzten überlebenden Eier von der ersten Behandlung geschlüpft.
  2. Haarlinge (Können mit dem bloßen Auge erkannt werden). Hierbei handelt es sich um sehr kleine meist weiße "Würmchen", welche sich auf dem Fell der Schweinchen bewegen und auch dort ihre Eier ablegen. Für den Menschen sind sie nicht gefährlich. Behandelt werden können sie mit einem Spot-On oder aber auch mit Ardap, welches eigentlich für Gehege- und Häuserreinigung nach einem Milbenbefall gedacht ist. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass die Schweinchen das Ardap nicht direkt abschlecken können bzw. man es ihnen nicht ins Gesicht bzw. in die Ohren sprüht!
  3. Kokzidien (mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen). Hierbei handelt es sich um Würmer, welche sich im Verdauungsapparat einnisten. Symptome sind unter anderem das Verweigern von Nahrung, wiederkehrender Durchfall oder/und auch Teilnahmslosigkeit. Nachweisbar sind diese Parasiten über eine Kotprobe durch den Tierarzt. Die Gabe eines Antibiotikums, in dem Fall von Sulfonamiden oder Toltrazuril, tötet die Erreger. Es ist ratsam das Gehege oft zu desinfizieren und auch die Häuser heiß abzuwaschen, um einen erneuten Befall zu vermeiden. 
  4. Pelzmilben oder andere Haarmilben. Durch den Juckreiz, welchen diese Tierchen auslösen können, beißen sich die Schweinchen regelrecht die Haare aus. Es entstehen Kahlstellen oder offene Wunden im Fell. Hier kommt in der Regel auch ein Spot-On zum Einsatz oder auch Ardap (nicht ins Gesicht oder in die Ohren der Tiere sprühen!).

Achtung!: Auch wenn diese Begleiter einen enormen Ekel bei uns Menschen auslösen können, wir dürfen das Gehege der Schweinchen auch nicht zu steril halten, denn das könnte genau zum Gegenteil von dem führen was wir erreichen wollen. Das Immunsystem der Tiere wird durch den seltenen Kontakt mit Bakterien etc. instabil bzw. schwächer und schon der kleinste Erreger, welcher normal kein Problem darstellt, würde zum Ausbruch von Krankheiten, Parasiten oder Milben führen!

5. Nasenausfluss oder Schnupfen. Fällt uns beim TÜV auf, dass aus der Nase des Tieres Flüssigkeit kommt sollten wir hören ob es beim atmen röchelt. Da unterscheiden wir zwischen röcheln in den oberen Nasengängen und röcheln in den tieferen Atemwegen. Das Röcheln in den oberen Nasengängen kommt einer verstopften Nase beim Menschen gleich. Wohingegen das Röcheln in den tieferliegenden Atemwegen gefährlich für die Schweinchen werden kann (Gefahr einer Lungenentzündung)! Bei Ersterem können wir mit einer Inhalation behandeln, welche aus Fencheltee und/oder einer Nasensalbe bestehen kann. Die Komponenten kochen wir mit heißem Wasser in einer Schüssel auf und stellen sie neben eine Transportbox, bei der wir ein Handtuch über die gegenüberliegende Seite gelegt haben. Nun setzen wir das Tier für 10 Minuten in die Box damit es den Dampf einatmen kann. Sollte das Röcheln jedoch aus den tieferen Atemwegen kommen, ist ein Tierarztbesuch nötig.

6. Fell schneiden bei langhaarigen Schweinchen. Hier müssen wir regelmäßig das Fell mit einer geeigneten Schere kürzen, damit sich kein Dreck (Kot, Urin, etc.) anhäufen kann und somit das Risiko einer bakteriellen Infektion steigt. Besonders bei den Genitalien und am After sollten wir das Fell großzügig kürzen. 

Fazit: Wenn wir uns an die oben genannten Punkte halten und das Schweinchen einen guten gesundheitlichen Eindruck macht, haben wir alles getan, um dem Tier ein möglichst langes Leben zu ermöglichen.

 

Solltet ihr dennoch beim Schweinchen TÜV auffällige Dinge finden, welche wir hier nicht angesprochen haben und ihr einen Rat benötigt, meldet euch bei uns!